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Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) (Hrsg.), Kooperationsführer Mongolei, Potentialanalyse Mongolei, Köln 1999, 95 Seiten, (zu beziehen über DEG, Belvederestr.40, 50933 Köln, Frau Weiß Tel.0221/4986-474; Fax 0221/4986-292; e-mail: we@deginvest.de)

Deutsche Unternehmen tun sich noch immer schwer, Privatinvestitionen in der Mongolei zu tätigen. Im gewerblichen Sektor gab es bislang erst 34 Investitionen im Gesamtumfang von 2,4 Millionen Mark - praktisch DM 1,-- pro Einwohner der Mongolei. Vor allem sind es mittlere und kleine Unternehmen, die bislang den Sprung in die Mongolei gewagt haben, darunter eine Brauerei, Tourismusunternehmen und Im- und Exportfirmen; ferner gibt es mehrere Kapitalbeteiligungen. Nach Einschätzung der DEG werden aber längst nicht alle Chancen für Investitionen in der Mongolei wahrgenommen. Der Kooperationsführer dient dem Ziel, potentiellen Interessenten, sachdienliche Informationen über das Land, seine gesamtwirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Bedingungen, den aktuellen Stand der Privatisierung und über die Bereiche mit den besten Investitionschancen zu geben. Der Führer enthält darüber hinaus einen klar gegliederten und mit dem jüngst verfügbaren Zahlenmaterial angereicherten Überblick über den bisherigen Umfang der deutsch-mongolischen Wirtschaftsbeziehungen, er informiert über Investitionsförderprogramme der Mongolen und Bundesgarantieren für Kapitalanlagen im Ausland ebenso wie über die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen für die Beschäftigung einheimischer Arbeitskräfte. In der Anlage finden sich nützliche Informationen über Reisekonditionen, Flugverbindungen, Internet-Adressen mit Mongolei-Bezug und Details über Investitionsfinanzierungen durch die DEG oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Ferner enthält der Führer den Text des mongolischen Gesetzes über Auslandsinvestitionen in der Fassung von 1994 und eine "Investor Roadmap", die einen komprimierten Überblick über die notwendigen Schritte für einen erfolgreichen Einstieg ins Mongolei-Geschäft gibt. Eine gesonderte Sparte dieser "Roadmap" bündelt bisher gemachte Erfahrungen und warnt vor vermeidbaren Problemen. Die gesondert veröffentlichte Potentialanalyse geht ausgewählte Sektoren einzeln durch, prüft sie im Hinblick auf Investitionsmöglichkeiten und -risiken und macht konkrete Projektvorschläge. Der Bogen solcher Vorschläge ist weitgespannt, angefangen von den Absatzchancen für eine exportorientierte Tierfutterproduktion im Fleischproduzentenland Mongolei über Tourismus- und Souvenirindustrie, Textilproduktion und Lederverarbeitung, die Gründung kleinerer Pharmaunternehmen und privater Krankenhäuser, Beteiligungen am Ausbau des mongolischen Transportnetzes etc.etc. Das DEG-Länderrisiko-Profil stellt der Mongolei ein vergleichsweise vielversprechendes Zeugnis aus. Obwohl sie von ihrer Bevölkerungszahl und dem niedrigen Bruttosozialprodukt her zu den kleinsten Volkswirtschaften gehört, wird sie von den Verfassern der DEG-Studie im unteren Mittelfeld positioniert, etwa auf der Höhe Indonesiens oder Rumäniens. (D.G.)

 

Susanne Schmidt: Mongolia in Transition. The Impact of Privatization on Rural Life". Bielefelder Studien zur Entwicklungssoziologie, Band 62, Verlag für Entwicklungspolitik, Saarbrücken 1995, 240 Seiten, ISSN 0171-7537

Mit ihrer Arbeit über die Auswirkungen der Privatisierung in der Mongolei auf die ländlichen Steppenregionen hat die Bielefelder Ethnosoziologin Susanne Schmidt eine wichtige empirische Studie vorgelegt. Sie beschreibt nicht nur die besonderen Belastungen in eindrücklicher Weise, die durch die Systemveränderung auf die mongolische Nomadenbevölkerung zugekommen sind, sie vermittelt auch ein Bild davon, wie tief das neue Wirtschafts- und Politikmodell in die Sozialbeziehungen selbst kleinerer Bevölkerungsgruppen eingreift. Schmidts Beobachtungen im Hovsgol-Gebiet, wie sie ihre Fallstudien betrieb, klingen scheinbar paradox: In den Zeiten des Kollektivs, so ihr Fazit, gab es in der ländlichen Bevölkerung der Mongolei mehr gesellschaftliche Status-Unterschiede als heute. Die Marktwirtschaft und ihre Folgen wie der Verlust vieler Arbeitsplätze in den Sum-Zentren und die Privatisierung der Viehbestände haben laut Schmidt einen überaus gleichmacherischen Effekt: Alle werden Viehzüchter. Die geschwächte Position der Regierung in den ländlichen Gebieten, die wachsende Verschuldung und Abhängigkeit der Mongolei von den Geberländern, die Ungleichgewichte auf dem Produktionssektor und die begrenzte Funktion der Geldwirtschaft bei den Nomaden und schließlich auch ihr Widerstand gegen regulierende Eingriffe des Staates führen laut Schmidt zu dem Schluss, dass für die spezifischen Entwicklungsprobleme der Mongolei konventionelle Lösungen nicht greifen. Alternative Modelle, die sich an freien Marktbeziehungen auf der Basis des Erbes der Nomadenkultur orientieren, seien dringend erforderlich. Schmidt sieht eine Lösung in der Anerkennung der traditionellen Technologien, sie macht aber keinen konkreten Vorschlag, wie diese wiederum in Einklang zu bringen wären mit den Bedürfnissen der Wirtschaftsentwicklung in den Städten. Die Autorin hat in der vorliegenden Arbeit - ihrer Dissertation - außerdem die Anwendbarkeit der wichtigsten entwicklungssoziologischen Theorien zu dern Veränderungen in den ehemals sozialistischen Staaten auf die Mongolei einer kritischen Überprüfung unterzogen. Trotz dieses streng wissenschaftlichen Vorgehens ist dennoch aus fast jeder Zeile dieser vorzüglichen Arbeit die persönliche menschliche Anteilnahme der Verfasserin am Schicksal der mongolischen Viehzüchter in dieser schwierigen Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs zu spüren. (Doris Götting)

 

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Last Update: 08. Dezember 2007