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Doppelte Transition in der
Mongolei. Politischer und wirtschaftlicher Wandel unter dem Einfluss
ausländischer Geber. Demokratie und Entwicklung Band 35, hg. von Rainer
Tetzlaff, Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg, LIT
Verlag, Münster, Hamburg, London 1999, ISBN 3-8258-4237-1
War es klug und richtig, dass die Mongolei als einziger der sozialistischen Staaten Asiens ihre Abkehr vom Kommunismus mit der gleichzeitigen Zuwendung zum freiheitlichen System des Westens in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht verband, während der große Nachbar China und Vietnam sich auf marktwirtschaftliche Reformen innerhalb der weiterbestehenden sozialistischen Einparteienherrschaft beschränkten? Die als „doppelte Transition" bezeichnete Entscheidung für den radikalen Bruch mit dem obsolet gewordenen Sowjetsystem birgt ohne Zweifel eine Fülle von Chancen, aber auch Gefahren für die Mongolei. Sie werden in der Arbeit von Verena Fritz anhand eingehender empirischer Untersuchungen dargestellt und analysiert. Es handelt sich bei ihrer Arbeit um die erste systematische Darstellung der Mongolei im Rahmen des noch relativ jungen Wissenschaftszweigs der Vergleichenden Transitionsforschung. Sie enthält zugleich anhand des „Sonderfalls Mongolei", wie sie ihn nennt, eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen der Transitionstheorie. Tatsächlich lässt sich Claus Offes Behauptung der Unvereinbarkeit von Demokratisierung und Einführung einer Marktwirtschaft gerade an einem Land wie der Mongolei leicht widerlegen, in dem die Bedingungen, weiß Gott, alles andere als günstig sind und sich die Proteste der von den Schwierigkeiten des Übergangs am meisten Betroffenen dennoch in Grenzen halten. Verena Fritz widerspricht auch Huntington, der der Mongolei wegen des niedrigen Pro-Kopf-Einkommens ihrer Bürger nur geringe Demokratisierungschancen eingeräumt hatte. Skeptisch bewertet Fritz allerdings die weitverbreitete Hoffnung – vielleicht sagt man besser: Illusion -, eine erfolgreiche Demokratisierung könne zugleich alle sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Mongolen lösen. Und sie tut gut daran. Dass umgekehrt auch die anhaltende Abhängigkeit von den internationalen Geberorganisationen, die ihre Zahlungen bekanntlich an ziemlich rigide Bedingungen des Wirtschafts- und Finanzgebarens des Empfängerlandes knüpfen, Gefahren für den demokratischen Kurs bergen, hat sie ebenfalls nicht aus dem Auge verloren. Fritz verweist in ihrem Anfangskapitel, in dem sie einen kurzen Abriss der Geschichte der Transitionsforschung gibt, auf einen wichtigen Aspekt, den es im Falle der Mongolei zu beachten gilt: das Land weist „einerseits Merkmale post-sozialistischer Länder auf, wie eine bestimmte gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Organisation während der letzten sieben Jahrzehnte, die sich andererseits aber als Entwicklungsland und als nicht-osteuropäisches Land von der Mehrheit dieser Länder auch in wesentlichen Punkten unterscheidet" (S.11). Ferner verwendet sie in diesem Eingangskapitel viel Sorgfalt auf ihr wissenschaftliches Instrumentarium, wie die Definition des Begriffs Transition und eine Auflistung der Erkennungsmerkmale, wann ein Transitionsprozess erfolgreich beendet ist. Sie legt Wert auf die begriffliche Unterscheidung von Defiziten und Defekten eines Transitionsprozesses und beschreibt die erforderlichen Schritte, um denselben überhaupt in Gang zu bringen. Die Untersuchungen der Autorin waren 1999 abgeschlossen – der zweimonatige Forschungsaufenthalt in der Mongolei lag da sogar schon zwei Jahre zurück. Sie konstatiert, zehn Jahre nach Beginn der Reformbestrebungen, dass die beiden parallel gelaufenen Transitionsprozesse im Prinzip als abgeschlossen angesehen werden können. Demokratie und Marktwirtschaft haben in der Mongolei Fuß gefasst und die alten kommunistischen Strukturen ersetzt. Dass dieser Trend in der Tat unumkehrbar ist, zeigt sich z.B. darin, dass zwar seit dem Jahr 2000 die einstige Einheitspartei MRVP wieder die Regierung stellt, aber es ist eine gründlich gewandelte Partei. Sie bekennt sich zu denselben Prinzipien der Demokratie und Marktwirtschaft wie diejenigen politischen Gruppen, die sie 1989 von ihrem Thron gestürzt hatten. Und man kann ihr nicht einmal nachsagen, dass sie sie weniger mit Leben erfüllt als jene – bis hin zu den Negativerscheinungen der Korruption und der persönlichen Bereicherung. Gerade die jüngere Entwicklung in der Mongolei zeigt die latenten und die offenkundigen Schwächen auf. Sie liegen sowohl in den politischen wie auch in den wirtschaftlichen und bürokratischen Strukturen des riesigen, aber dünn besiedelten Landes – z.B. in der immer noch nicht abgeschlossenen Privatisierung von Staatsbetrieben, aber auch wohl nicht zuletzt in dem, was Fritz unter Bezugnahme auf die sozialistische Vorgeschichte zutreffend als „in Unselbständigkeit trainiert" (S.56) bezeichnet. Die Gefahr, dass alte Abhängigkeiten – von der einstigen Sowjetunion und vom RGW – nur durch neue von Weltbank, IMF und Geberländern ersetzt werden könnten, ist deshalb nach wie vor nicht gebannt. Zu Pluspunkten, welche die Mongolei wiederum von vielen Entwicklungsländern nicht-sozialistischer Provenienz unterscheiden, zählt Verena Fritz „einen für Entwicklungsländer ungewöhnlich hohen Sozial- und Bildungsstandard" und damit verbunden die Hervorbringung einer professionell gebildeten Mittelschicht als wichtiger Trägergruppe des Demokratisierungsprozesses sowie eine ziemlich egalitäre Einkommensverteilung, zumindest bis 1990, also einer nur „relativen" Armut, keines ausgesprochenen Elends (S.57 f.). Dass sich diese Prozesse inzwischen ausdifferenziert und damit zusätzliche soziale Probleme wie wachsendes Bildungsgefälle, zunehmende Analphabetenraten, größere Einkommensunterschiede und stellenweise Verelendung zur Folge hatten, ist bekannt. Das Buch von Verena Fritz verdeutlicht die zentrale Rolle der Geberländer und belegt die Wechselbeziehungen politischer und wirtschaftlicher Transition. Vier Faktoren sind danach für sie maßgeblich: der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Entwicklungsstand und Demokratisierungschancen; der Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Trend und dem Beginn eines Systemwechsels; der Zusammenhang zwischen politischer und wirtschaftlicher Transition als Kernpunkt der Analyse und schließlich der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Effektivität und Konsolidierungschancen. Das alles ist von der Autorin sehr schlüssig dargestellt und mit Zahlenmaterial gründlich belegt. Bleibt am Ende dennoch die Frage, ob der „Sonderfall Mongolei" nicht noch einige weitere wichtigen Faktoren aufweist, die in ihrem Buch zwar erwähnt sind, aber dennoch ein wenig zu kurz kamen. In ihrem Kapitel über die Bedeutung des kulturellen Erbes für die Demokratisierung (S.61-68) wird deutlich, dass sich die Autorin in diesem Punkt bewusst Zurückhaltung auferlegt hat. Das Kapitel besteht im wesentlichen darin, diese Zurückhaltung zu begründen. Durchaus mit guten Argumenten. Es ist Fritz zuzustimmen, dass der kulturelle Faktor im Falle der Mongolen nicht unbedingt als günstige Vorbedingung für Demokratisierung anzusehen ist. Aber er erklärt durchaus, weshalb ein Volk, das seit den Anfängen seiner Geschichte der nomadischen Weidewirtschaft anhängt und seit über 400 Jahren einen buddhistisch-religiösen Hintergrund aufweist sich angesichts der grundstürzenden Veränderungen, die ihm ja nicht erst das letzte Jahrzehnt, sondern das gesamte 20. Jahrhundert beschert hat, bis auf die heute vielleicht 30 Prozent der Menschen in den wenigen urbanen Zentren des Landes, einer überkommenen Lebensweise anhängt. Trotz der von Fritz erwähnten fortschreitenden Verstädterung sind die nomadisierenden Viehzüchter nach wie vor das Rückgrat der mongolischen Gesellschaft, zum einen Stabilitätsfaktor und zum anderen allein schon deshalb weniger zur Akkumulation von Gütern neigend, als dies ihre Mobilität im Weidebetrieb beeinträchtigen würde. Da durch Transitionen neugeschaffene Strukturen allgemein als langfristig labil anzusehen sind, wie es das Beispiel Lateinamerika zeigt, ist diese kulturelle Konstante ein nicht zu unterschätzender Punkt. Insofern ist der Auffassung von Alicia Campi über die Nomadengesellschaften doch Recht zu geben. Etwas anderes, das ich bei der Lektüre vermisst habe: ein Blick auf die wichtige Rolle der Frauen im mongolischen Transitionsprozess. Denn gerade bei ihnen ist, z.B. im privatwirtschaftlichen Bereich, Innovationskraft, Wagemut und Durchhaltevermögen festzustellen. Dagegen sind sie für die negativen Begleiterscheinungen wie Korruption und den unter Männern weitverbreiteten Alkoholismus weniger anfällig. Dies soll allerdings nur als eine kleine Einschränkung dieses außerordentlich informativen und trotz seines hohen wissenschaftlichen Anspruchs gut lesbaren Buches angesehen werden. Als Fazit ihrer eingehenden Studie über den Transitionsprozess in der Mongolei bietet Verena Fritz zwei Zukunftsszenarien an: ein pessimistisches und ein optimistisches. Beide gehen von dem – ja auch eingetretenen – Wahlsieg der MRVP im Jahr 2000 aus. Das pessimistische Szenario sieht eine allgemeine Zunahme der Korruption, welche eine nachhaltige Entwicklung und die Schaffung von Arbeitsplätzen verhindert und damit langfristig eine große Klasse dauerhaft Armer schafft. Frustration und Apathie nehmen zu, und diese Entwicklung endet in einer „low quality democracy". Alternative zwei geht von einer weiteren Verjüngung und inneren Demokratisierung der MRVP aus, die über längere Zeit an der Macht bleibt. Sie bewirkt eine Belebung des Privatsektors, v.a. der privaten Produktion und einen verbesserten Einsatz der Entwicklungshilfemittel sowie potentieller Gewinne aus dem Rohstoffsektor. Die Folge wäre ein moderater wirtschaftlicher Aufschwung, welcher auch der infrastrukturellen Versorgung entlegener Landesteile zugute käme. Eine lebhafte Zivilgesellschaft würde sich entwickeln, politische Bildung fördern, Arbeitslosigkeit reduzieren und in eine konsolidierte Demokratie mittlerer oder hoher Qualität münden. Wie es Szenarien an sich haben, dürfte auch in diesem Fall die realistische Zukunftsaussicht für die Mongolei irgendwo in der Mitte der beiden geschilderten Alternativen liegen. Denn sowohl den negativen wie auch den positiven Faktoren kann man schon heute in der mongolischen Gesellschaft allenthalben begegnen. Doris Götting
Dieses handliche Büchlein aus der populären Reise Know-How-Reihe des Peter Rump Verlags in Bielefeld empfiehlt sich auch für den Mongolei-Touristen, der mit der Bahn anreist. Denn darin wird der durch die Mongolei führende Streckenabschnitt Ulan-Ude – Ulaanbaatar – Erlian (- Peking) ebenfalls abgehandelt und dem Reisenden eine längere Unterbrechung in Ulaanbaatar empfohlen. Er findet allerlei praktische Hinweise für einen solchen Zwischenaufenthalt. In einem zweiten Abschnitt des Buches werden die Sehenswürdigkeiten Ulaanbaatars und seiner näheren Umgebung sowie des Teils der Gobi, die von der Eisenbahn auf dem Weg nach China durchquert wird, knapp beschrieben. Ein Plan der Innenstadt mit den wichtigsten Gebäuden, Museen und Klöstern sowie in Kästen eingeschobene Kurzbeiträge zu Dschingis Khan, zum Buddhismus, über Gers und zu den Trinkgewohnheiten der Mongolen ergänzen diese Informationen. Für Stopover-Touristen mögen sie ausreichend sein. Wer länger bleiben und auch entfernter gelegene Regionen des Landes besuchen will, der sollte gleich zu ausführlicheren Mongolei-Guides greifen. Die Autorin, eine studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, ist über das Fotografieren zur Reiseschriftstellerei gekommen. Das überwiegend auf praktische Hinweise abgestellte, gut bebilderte und mit einer Streckenkarte versehene Büchlein verrät, dass ihr Fahrten mit der Transsib vertraut sind, auch die mit der tagelangen Bahnfahrt verbundenen Tücken, angefangen von der Wahl des richtigen Reiseveranstalters, den Preisunterschieden für Gruppen- und Einzelreisende über Sicherheit und sanitäre Verhältnisse in den Zügen bis hin zum Problem sprachlicher Verständigung. Die Aneignung des kyrillischen Alphabets wird vor allem dem Einzelreisenden empfohlen, der sich sonst schwer zurechtfindet. Ob dies jedoch – wie die Autorin meint – in wenigen Stunden gelingt, ist eher zweifelhaft. Das Büchlein enthält im Anhang zwar u.a. auch das russische Alphabet einschließlich Transliteration und Aussprachehilfen, aber keinen Hinweis darauf, dass für die Verschriftung des Mongolischen zusätzliche Zeichen eingesetzt worden sind – und außerdem inzwischen auch die uigurische bzw. altmongolische Schrift wieder verwendet wird. (D.G.)
Das Erbe Dschingis Khans - Die Schätze der Goldenen Horde aus der Eremitage in St. Petersburg. Hg. Dr. Michail Piotrovsky. Ausstellungskatalog, Kunsthalle Leoben 2002. ISBN 3-9500840-0-4, 147 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Die Schätze zentralasiatischer Reitervölker und ihrer einstigen Steppenreiche, welche die Eremitage in St. Petersburg birgt, bekommen Kunstinteressierte im Westen Europas höchst selten zu sehen. Nicht einmal in diesem berühmten russischen Museum selbst kann man diese kostbaren Raritäten immer betrachten, da sie meist in den Depots ruhen. In lebendiger Erinnerung ist noch immer die große Skythen-Ausstellung in München 1984. Aber das liegt schon eine ganze Zeit zurück. Umso überraschender war es zu erfahren, dass es der steirischen Stadt Leoben gelungen ist, mit tatkräftiger Unterstützung des Kunsthistorischen Museums in Wien einige der Schätze der Goldenen Horde aus St. Petersburg für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt zu bekommen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass rund 400 Exponate einer der – wie es der Petersburger Museumsdirektor Prof. Michail Piotrovskij in seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog schreibt – bedeutendsten Sammlungen der Eremitage außerhalb Russlands gezeigt werden. Es sind Zeugnisse der hohen Kultur des mongolischen Weltreichs, sie spiegeln auch die vielfältigen unkriegerischen Kontakte mit anderen Völkern wider und korrigieren damit gängige Klischees des Barabarentums. Die Eroberer und die von ihnen unterworfenen Völker haben einander gelegentlich sogar beeinflusst. Tierdarstellungen und Jagdszenen verbanden sich auf Gebrauchsgegenständen wie Trinkschalen, Sattelzeug, Schwertscheiden, Gürtelschnallen und Frauenschmuck mit islamischer floraler Ornamentik. Zu sehen sind ferner Ton- und Glasgefäße, eine Reihe glasierter Mosaikfragmente, architektonische Elemente sowie einige Grabsteine. Was russische Archäologen dagegen direkt aus dem Steppenboden des mongolischen Kernlandes ausgegraben haben oder was in den dreißiger Jahren aus den mongolischen Klöstern geraubt wurde – soweit man es nicht vernichtet hat -, darüber breitet sich weiter der Mantel des Schweigens. Lediglich zwei oder drei der in Leoben gezeigten Objekte stammen aus solchen Grabungen, darunter mehrere Paitza/Pai-tsa – Ehrenzeichen, die reisende Beamte als eine Art Diplomatenpass bei sich trugen - aus dem Mündungsgebiet der Selenge oder eine silberne Schnabelschale aus Karakorum. Alle gezeigten Gegenstände aus dem Kernland werden in das 13. Jahrhundert datiert, also die Zeit Tschingis Khans und seiner unmittelbaren Nachfolger. Eine der Paitza trägt eine eingravierte Inschrift in mongolischer Quadratschrift, die in der Übersetzung lautet: "Mit der Kraft des ewigen Himmels sei der Name des Khans heilig. Wer dies nicht befolgt, wird getötet und wird sterben." Der Katalog ist gut ediert, wenn auch etwas geschmäcklerisch aufgemacht. Neben zahlreichen Bildwiedergaben und einer ausführlichen Beschreibung der Ausstellungsgegenstände enthält er einen umfangreichen wissenschaftlichen Aufsatz von Mark G. Kramarovsky (Staatl. Eremitage St. Petersburg), der den Besuchern der Ausstellung eine gute Vorstellung über die Kulturleistung der Mongolenreiche vermittelt. Leider ist er nicht immer glücklich ins Deutsche übersetzt. Ein umfassendes Literaturverzeichnis am Ende des Bandes rundet den Katalog ab. (D.G.)
Udo B. Barkmann: Bibliographie der wissenschaftlichen Arbeiten zur Mongolistik in Deutschland, herausgegeben vom Deutschen Übersee-Institut, Übersee-Dokumentation, Hamburg 2002, ISBN 3-922825-92-0, 98 Seiten. Das schmale Bändchen ermöglicht, alphabetisch nach Autoren geordnet, einen umfassenden Überblick über mongolistische Publikationen in Deutschland seit den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Der Autor hat der Bibliographie einen Essay mit dem Titel "Einige Gedanken zur Entwicklung der deutschen Mongolistik" vorangestellt. Darin stellt er, neben den Werdegängen der bedeutendsten Mongolisten, das Schicksal dieses Fachs unter den jeweiligen politischen Bedingungen im geteilten Deutschland und seinen mit Geldmangel begründeten Niedergang nach der Wiedervereinigung dar. Letztere Entwicklung hält Barkmann, zu Recht, für einen folgenschweren Fehler. Die Ausblendung mongolei-bezogener Forschung aus den Asienwissenschaften steht seiner Auffassung nach nicht nur im krassen Gegensatz zum internationalen Ansehen der deutschen Mongolistik, sondern auch zu ihrer Bedeutung für die nationale Identitätsfindung der Mongolen in der Inneren und Äußeren Mongolei wie auch in Burjatien. (D.G.)
Barkmann, Udo. B.: Die Beziehungen zwischen der Mongolei und der VR China (1952-1996). Versuch einer Anamnese, Mitteilungen des Instituts für Asienkunde Nr. 338, Hamburg 2001, 190 Seiten Barkmann, Udo B.: Landnutzung und historische Rahmenbedingungen in der Äußeren Mongolei / Mongolischen Volksrepublik (1691-1940). Versuch der Annäherung an ein Thema, Senri Ethnological Reports Nr. 17, National Museum of Ethnology, Osaka 2000, 175 Seiten mit 3 Karten, ISSN 1340-6787 Der Gegenstand dieser Untersuchung ist komplex. Er schließt Fragen der Nutzung, des Zugangs, der Verfügung, des Eigentums und auch der Ökologie des außermongolischen Territoriums vor dem Hintergrund einer Gesellschaft mit ein, die ihre wichtigsten Entwicklungsimpulse fast immer von außen empfing. Barkmann beschränkt sich auf das Staatsgebiet der Äußeren Mongolei, denn für das Gebiet der Inneren Mongolei liegen – wie er in seinem Vorwort schreibt - keine Feldforschungsergebnisse vor. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Problem der Landnutzung in der mongolischen Forschungsliteratur bislang kaum aufgegriffen wurde Daher verdient Barkmanns fast ein wenig zu vorsichtig formulierter „Versuch einer Annäherung" Beachtung, nicht zuletzt angesichts des wachsenden Interesses ausländischer Investoren am Erwerb von Grund und Boden in der Mongolei. Was an Material in mongolischen und russischen Archiven vorhanden war, fand in der Untersuchung breite Berücksichtigung. Außerdem ermöglichte ein Forschungsaufenthalt in Osaka, wo die vorliegende Arbeit auch publiziert wurde, dem Verfasser den Zugriff auf die im Westen weitgehend unbeachtete, aber keineswegs unwichtige japanische Mongolei-Forschung. (D.G.) Galsan Tschinag: Der Wolf und die Hündin. Erzählung, Verlag Im Waldgut, Frauenfeld 2001, 80 Seiten Geschichte von einem Wolf und einer Hündin, die als Paar zusammenleben. Die Hündin ist hoch trächtig; beide jagen ein Pferd, das ihnen die letzten Kräfte abverlangt. Schließlich werden sie selbst von den Menschen gejagt; der Wolf wird erschossen. Nun beginnt die eigentliche Erzählung, denn die Seele des erlegten Wolfs gelangt in eine Art Wolfshimmel und lebt in dieser mythisch-märchenhaften Sphäre weiter. Eine Liebesgeschichte und zugleich eine Parabel über Liebe, Überlebenskampf und Tod. (D.G.) Galsan, Tschinag: Wolkenhunde. Gedichte, Verlag Im Waldgut, Frauenfeld 2000, 48 Seiten Galsan Tschinag: Dojnaa. Erzählung, A1 Verlag, München 2001, 144 Seiten, ISBN 3-927743-55-0 Galsan, Tschinag: Das Ende des Liedes, Roman, Unionsverlag Taschenbuch, Zürich 2001, 160 Seiten, ISBN 3-293-20205-5 (Erstausgabe A1 Verlag 1993) Heissig, Walther: Individuelles und traditionelles Erzählen. Der mongolische Erzähler Coyrub (Coyirub) aus Ordus (1912-1989), Asiatische Forschungen Nr. 136, ca. 232 Seiten, Leinen, ISBN 3-447-04285-0 Susanne Knödel, Ulla Johansen: Symbolik der tibetischen Religionen und des Schamanismus (mit einem Beitrag zur Bon-Religion von Per Kvaerne), Symbolik der Religionen Band 23, 282 Seiten mit 127 (davon 2 farbigen) Abbildungen, Hiersemann Verlag, Stuttgart 2000, Leinen, ISBN 3-7772-0016-6 „Die Abbildungen sind so ausgewählt worden, dass die dargestellte Symbolik ... am realen, im religiösen Gebrauch stehenden Beispiel sichtbar wird. Dementsprechend wurden die Bilder sehr breit gestreut. Im Fall des Schamanismus zeigen sie Beispiele aus Nord- und Ostasien sowie aus Nordamerika, beim tibetischen Buddhismus gehen sie über Tibet selbst hinaus und schließen Erscheinungsformen aus Nepal, China und der Mongolei mit ein." (Verlagsmitteilung) Rolf Gilberg & Dänisches Nationalmuseum Kopenhagen: Mongolian Colouring Book, mit Zeichnungen von Lama Lodai (1938); 48 Seiten, Kopenhagen 1992, ISBN 87-89384-16-4. Zu beziehen über die Dänisch-Mongolische Gesellschaft (Dansk Mongolsk Selskab), Internet-Adresse www.danskmongolskselskab.dk Dieses zauberhafte Malbuch ist nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Es wurde herausgegeben und mit Texten zur Geschichte, zu Sitten und Gebräuchen und zum Alltagsleben der mongolischen Nomaden (in englischer Sprache) versehen von dem Kustos der Ethnographischen Abteilung des Dänischen Nationalmuseums und Vorsitzenden der Dänisch-Mongolischen Gesellschaft, Rolf Gilberg. Die Entstehung dieses Buches ist für sich schon eine Geschichte, die in die späten 30-er Jahre zurückreicht. Damals begegnete der dänische Volksmusikforscher Henning Haslund-Christensen in der innermongolischen Hauptstadt Huhhot dem vor politischer Verfolgung aus Ulaanbaatar geflüchteten Lama Lodai. Er bat ihn um Unterstützung bei der Niederschrift mongolischer Volkslieder, und zur einfacheren Erläuterung der altmongolischen Liedtexte fertigte der buddhistische Mönch kleine Tuscheskizzen an; sie werden heute zusammen mit dem musikwissenschaftlichen Nachlass Haslund-Christensens im Kopenhagener Museum aufbewahrt. Für das Buch wurden die teilweise miniaturhaften Zeichnungen in Einzelszenen vergrößert wiedergegeben. (D.G.) (zusammengestellt von Doris Götting)
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