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BezugsquelleUdo B.Barkmann, Geschichte der Mongolei oder Die "Mongolische Frage". Die Mongolen auf ihrem Weg zum eigenen Nationalstaat, Bouvier Verlag, Bonn 1999, 422 S., ISBN 3-416-02853-8

Der Untertitel des Buches macht es deutlich: hier ist hauptsächlich die Rede von der modernen Mongolei und davon, wie es die Mongolen im 20.Jahrhundert zu einem eigenen Staat gebracht haben. Die Anfänge der mongolischen Staatsgeschichte werden einleitend auf knapp 50 Seiten abgehandelt, die zwei Jahrhunderte chinesischer Suzeränität bis 1911 haben auf weiteren 20 Seiten Platz. Der Rest des Buches befasst sich mit der Geschichte der Mongolei bis zum Oktober 1949 - also bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Ulaanbaatar und Beijing wenige Tage nach der Gründung der Volksrepublik China. Was Barkmann zur neueren Geschichte der Äußeren Mongolei zusammengetragen hat, ist bemerkenswert. Erstmals hat hier ein mongolistischer Forscher eines westlichen Landes Einblick nehmen können in die einschlägigen Staats- und Parteiarchive in Ulaanbaatar und Moskau, er konnte Hintergrundmaterial und Forschungsarbeiten seiner mongolischen, russischen, chinesischen und japanischen Kollegen wie auch amerikanischer und britischer Institute - und die Akten zur deutschen auswärtigen Politik heranziehen. Damit ist ihm gelungen, die Staatwerdung der Mongolei im Spannungsfeld der widerstreitenden Interessen der das Land umgebenden Mächte viel klarer und zum Teil mit deutlichen Akzentverschiebungen herauszuarbeiten als dies bislang möglich war.

Abgesehen von der traditionellen russisch-chinesischen Rivalität in dieser Region ist in dem Zusammenhang besonders auffallend, wie sehr bereits seit dem Ende des Russisch-Japanisches Krieges 1904/05 Japan über seine mandschurischen Mittelsmänner und eigene Agenten auf die mongolischen Geschicke Einfluss zu nehmen versucht hat. Japans auffallendes Interesse, vor allem für die Innere Mongolei, trug nicht unerheblich dazu bei, die "mongolische Frage" möglichst umgehend zu lösen. Während das Zarenregime offiziell noch mit China verhandelte, schloss es 1912 unter der Hand mit Japan einen Geheimvertrag, in dem die beiden Mächte entlang einer in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Linie mitten durch die - zum Chinesischen Reich gehörende - Innere Mongolei ihre jeweiligen Interessensphären festlegten - mit, wie Barkmann schreibt, verheerenden Folgen für die junge mongolische Unabhängigkeitsbewegung. Er führte das Bestreben der Mongolen, ihre Vereinigung in einem Staat durchzusetzen, von vorneherein ad absurdum. Japan und Rußland hatten entschieden. Jetzt konnte es im Grunde nur noch darum gehen, den vom Bogd Gegeen begründeten Staat auf dem Territorium der Äußeren Mongolei zu verwirklichen." Es sollte übrigens nicht der einzige Geheimvertrag zwischen Russland und Japan bleiben, bei dem es u.a. um die Mongolei ging.

Wie ein roter Faden spannt sich - das macht Barkmanns gründliche Darstellung der nationalen Staatwerdung der Äußeren Mongolei mehr als deutlich - Moskaus falsches Spiel mit der mongolischen Unabhängigkeit von der Zarenzeit bis praktisch zum Ende der Sowjetunion. Im Grunde wurde die volle Souveränität des zentralasiatischen Landes erst 1990 wirklich anerkannt. In all den Jahren war sie aber Mittel zum Zweck russischer, später sowjetischer Auseinandersetzung mit China, nachdem die strategische Bedeutung des Gebiets erst einmal erkannt worden war. Ging es in der Lenin-Ära vor allem um die wirtschaftliche Verdrängung der Chinesen aus der Mongolei und den Ausbau der mongolisch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen, so rückte unter Stalin die militärisch-politische Kontrolle immer mehr in den Vordergrund. Stalin benutzte überdies die mongolische Eigenstaatlichkeit als ein Druckmittel, mit dem er zunächst Chiang Kaishek und anschließend Mao Zedong zur widerwilligen Anerkennung der Mongolei zwang. Was letzteres Kapitel der mongolischen Außenbeziehungen betrifft, konnte der Autor auf die bereits länger vorliegende Untersuchung von Dieter Heinzig, "Die Sowjetunion und das kommunistische China 1945 - 1950 (Baden-Baden 1998) zurückgreifen, deren zentrale Kapitel in den "Mongolischen Notizen" Nr.7/1998 und Nr.8/1999 zusammengefasst sind.

Und auch Stalin erkannte, dass er sich nicht allein mit China um den Zugriff auf die Mongolei auseinanderzusetzen hatte. Moskaus alter Angstgegner Japan wagte 1939 den militärischen Vorstoß über die mandschurisch-mongolische Grenze. Pläne zur Schaffung eines großmongolischen Marionetten-Staates, der die Innere wie die Äußere Mongolei umfassen sollte, lagen schon seit längerem in den Schubladen des Oberkommandos der Guandong-Armee. Die berühmte Schlacht am Chalchyn Gol, aus der die Mongolei dank der nachhaltigen Unterstützung durch die Sowjetarmee siegreich hervorging, war Teil einer langfristig angelegten japanischen Strategie, dauerhaft in der Mongolei Fuß zu fassen. Die Tatsache, dass dieser ursprünglich lokal begrenzte Konflikt zu einer der entscheidenden Schlachten des fernöstlichen Kriegsschauplatzes werden konnte, hing allerdings, wie Barkmann nachweist, weniger mit einem japanischen als einem sowjetischen Interesse an einer Eskalation zusammen. Drei Tage vor der Unterzeichnung des Nichtangriffspakts zwischen der Sowjetunion und Deutschland war dies ein unzweifelhaftes Signal Stalins an die Japaner, die Finger vom sowjetischen Einflussbereich in Zentralasien zu lassen.

Eine nicht zu unterschätzende Ergänzung der wissenschaftlichen Aufarbeitung der jüngeren mongolischen Geschichte durch Udo B. Barkmann enthält der Anhang seines Buches: es ist die Übersetzung der bislang nicht zugänglichen Schlüsseldokumente, angefangen vom Russisch-Mongolischen Abkommen vom 21.Oktober 1912, mit dem Chinas Vorherrschaft über die Mongolei endete, über das Russisch-Chinesisch-Mongolische Abkommen von Kjachta vom 25.Mai 1915 bis zum Sowjetisch-Mongolischen Hilfeabkommen vom 12.März 1936. ( Doris Götting)

 

Catherina Lax: Die Mongolei im strategischen Kräftefeld Asiens - Vom Einparteienstaat zur pluralistischen Demokratie?", Nomos Universitätsschriften: Politik, Band 58, Nomos Verlag, Baden-Baden 1994, 404 Seiten, einschl. Anhang. ISBN 3-7890-3814-8

Die Rolle der Mongolei im 20.Jahrhundert wird anhand verschiedener politikwissenschaftlicher Theorien zu bewerten versucht. Mancher sachkundige Leser dürfte sich allerdings verwundert fragen, wieviel die Autorin von den tatsächlichen Vorgängen der tiefgreifenden Veränderungen in den ehemals sozialistischen Staaten - nicht nur in der Mongolei - überhaupt verstanden hat. Hinsichtlich der Mongolei selbst wird zwar eine Fülle an politisch-historischen Details ausgebreitet, dahinter verstecken sich jedoch eine ganze Reihe offenkundiger Fehler, Fehleinschätzungen und falscher Schlussfolgerungen. In der Darstellung der Geschichte von Partei und Staat gibt es zudem auffällige Lücken. So finden sich z.B. unter dem Stichwort "Die Mongolei und der Zweite Weltkrieg" ganze drei Zeilen, und die beziehen sich auch noch auf eine innerparteiliche Säuberung, die gerade in jenem Zeitraum stattfand. Kein Wort darüber, dass die Mongolei vom Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen für Asien durchaus betrfoffen war; kein Wort über die Schlacht am Nomonhan, in der die Mongolen 1939, unterstützt von sowjetischen Verbänden unter dem legendären General Shukow den Japanern ihre erste Niederlage bei ihren Eroberungsfeldzügen im Fernen Osten beibrachten. Kein Wort darüber, dass die Mongolen mit den Panzerverbänden der Roten Armee 1945 an der Eroberung Berlins teilnahmen. Vor allem aber kein Wort darüber, dass die Frage der staatlichen Unabhängigkeit der Mongolischen Volksrepublik auf der Tagesordnung der Konferenz von Jalta gestanden hat, dass Stalin ihre Anerkennung durch China zur Vorbedingung für den Eintritt der Sowjetunion in den Krieg der Alliierten gegen Japan machte. An solchen Fakten aber hätte sich die Rolle der Mongolei im strategischen Kräftefeld Asiens gut exemplifizieren lassen. Auch hinsichtlich der Geschichte der MRVP, deren Anfängen die Autorin zuächst breiten Raum gibt, sind die Entwicklungen ab 1945 eher kursorisch dargestellt. Erst für die Jahre nach der Öffnung des Landes 1990 geht sie wieder ins Detail, sie zitiert allerdings vorwiegend aus Agentur- und Zeitungsberichten. Dabei hätte es für eigene Recherchen vor Ort kein Hindernis mehr gegeben. Insgesamt krankt die vorliegende Arbeit daran, dass sie nahezu ausschließlich aus westlichen, osteuropäischen oder Moskauer Sekundär- bzw. Tertiärquellen schöpft und diese größtenteils auch noch unkritisch übernimmt. (Doris Götting)

 

"The Mongolian Journal of International Affairs"; hrsg.vom Institute of Oriental and International Studies, P.O.Box 48-17, Ulaanbaatar.

Das Institut für Orientalische und Internationale Studien der Mongolischen Akademie der Wissenschaften gibt seit 1994 diese Zeitschrift in englischer Sprache heraus. Sie erscheint einmal jährlich und beschäftigt sich mit Fragen der Außenpolitik der Mongolei, insbesondere im asiatischen Raum. Darüber hinaus widmet sie sich den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Mongolei. In der ersten Ausgabe (No.1, 1994) finden sich informative Aufsätze mongolischer Wissenschaftler zu den verschiedensten Themenbereichen, so z.B. zu den Kooperationsbemühungen in Nordostasien, zur mongolischen Außen- und Sicherheitspolitik und den russisch-chiensischen Beziehungen. Die Zeitschrift ist eine begrüßenswerte Ergänzung im Bereich der politikwissenschaftlichen periodika. Gerade weil die Mongolei in den gängigen internationalen Fachzeitschriften meist nur am Rande behandelt wird, decken die Herausgeber eine thematische Lücke ab. Ein Dokumentationsteil, der Erklärungen mongolischer Politiker im Wortlaut wiedergibt sowie eine außenpolitische Chronik runden das Heft ab. (Bernd Johann)

 

BezugsquelleMarina Münkler, Marco Polo. Leben und Legende, C.H.Beck Verlag, Beck'sche Reihe Nr.2097, München 1998, 127 Seiten,  ISBN 3-406-43297-2

"Es soll hier nicht darum gehen, den 'wirklichen' Marco Polo gegen den 'Mythos' Marco Polo auszuspielen, sondern darum, zu zeigen, wie aus dem Sohn einer mittleren venezianischen Kaufmannsfamilie jene schillernde Gestalt werden konnte, die wir heute kennen", heißt es in der Verlagsankündigung zu dem schmalen Büchlein der Berliner Übersetzerin und Literaturkritikerin Marina Münkler. Und so stellt sie denn den wohl berühmtesten Reisebericht des europäischen Mittelalters in den historischen und literarischen Kontext jener Zeit, zwischen christlichen Missionierungsdrang und merkantilistischen Fernhandel, die geografische Selbst-Verortung der Europäer und das literarische Genre der Reiseberichte zwischen Realismus und Fantasie, Beschreiben und Erzählen. Sie analysiert Aufbau und Struktur des Polo-Berichts, verweist auf seine chronologisch nicht immer zutreffende Zusammenschau zeitlich weit auseinanderliegender Ereignisse der mongolischen Geschichte und geht der Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte des Berichts nach, seiner Verbreitung und Abwandlung durch zahllose Abschriften. Und schließlich stellt sie - bezugnehmend auf die reichhaltig vorhandene Forschung - die Frage, wer Marco Polo eigentlich war: ein fahrender Kaufmann, dem vor allem Profit am Herzen lag, ein angesehener Bürger seiner Heimatstadt Venedig, ein "enkulturierter Höfling" und mongolisierter Verwaltungsbeamter am Hofe Khubilai Khans oder ein Forschungsreisender und Missionar? Münkler versucht sich geschickt aus der selbstgelegten Schlinge zu ziehen, wenn sie die Wandlungen und Verwandlungen der Handschriften parallel setzt zu den Wandlungen der europäischen Vorstellungen von einem wahren Asienkenner zwischen dem späten Mittelalter und der Frührenaissance. Marco Polo, so schreibt sie, sei die Personifizierung jenes Moments gewesen, als das Wissen über die fremde Welt des Ostens sich einem breiten Publikum mit unterschiedlichen Interessen und ohne eindeutig zuordenbare Zwecke öffnete. Seine Beschreibung der östlichen Länder sei just zu dem Zeitpunkt entstanden, als man begonnen hatte, sich die Fremde narrativ anzueignen. Und sie fährt fort: "Marco Polo war zugleich der Agent und der Repräsentant dieser Aneignung, und wenn er einen bestimmten Blickwinkel offenbart, dann den Europas auf Asien zu einem Zeitpunkt, als Asien in vielen Belangen Europa unendlich überlegen zu sein schien." Weiß Gott, ein reizvoller Blickwinkel auf Marco Polo, den Autor wundersamer Geschichten über die Mongolen! (Doris Götting)

 

Frances Wood: "Marco Polo kam nicht bis China", a.d.Engl. von Barbara Reitz und Bernhard Jendricke, Piper Verlag, München/Zürich 1995, 248 Seiten

Was im Titel des englischen Originals - "Did Marco Polo go to China?" - als Frage formuliert wird, die eine positive beziehungsweise negative Antwort offen lässt, ist in der deutschen Ausgabe als lapidare Behauptung dekretiert: "Marco Polo kam nicht bis China". Das ist so, als würde das spannende Ende eines Krimis im Titel bereits vorweggenommen. Das ist schade. Dieses Buch der britischen Historikerin und Leiterin der British Library, Frances Wood, leistet nämlich so etwas wie Detektivarbeit für die Bekräftigung einer These, die schon seit Erscheinen von Marco Polos wundersamem Reisebericht vor bald 700 Jahren die Gemüter seiner gelehrten Leser erhitzte: die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der darin geschilderten Abenteuer. Zur Bekräftigung ihrer These stützt sich Wood vornehmlich auf die Untersuchungen eines deutschen Fachwissenschaftlers, Prof.Herbert Franke, wonach sich Marco Poplo bei seinen Schilderungen arabischer und persischer Quellen bediente und auch deren "Fehler" mit übernahm. Ihrer Meinung nach kann Marco Polo nicht einmal in Karakorum gewesen sein; allenfalls habe er die Berichte seines Vaters und seines Onkels über die märchenhafte Hauptstadt Ögödei Khans in der mongolischen Steppe benutzt und als seine eigenen Beschreibungen hingestellt. Folgerichtig stellt Wood die Frage, wo Marco Polo denn sonst gewesen sein könne, wenn er nicht bis China kam. Ihre Antwort, er habe sich von seinem Gefängnis-Kompagnon Rusticello zum Verfassen eines Werks im damals gerade populär werdenden Genre der "Weltbeschreibung" überreden lassen, dürfte als Erklärung wahrscheinlich nicht ausreichend sein. Dennoch liest sich das Buch tatsächlich wie ein Krimi, obwohl sich die Autorin auch breit und durchaus kritisch mit der sonstigen Marco-Polo-Forschung auseinandersetzt. Gewiss wird das Buch aber nicht das letzte Wort zu der bewegenden Frage sein, ob eines der berühmtesten Bücher der Welt, der "Milione", nichts anderes gewesen ist als einbe spätmittelalterliche "Münchhauseniade". (Doris Götting)

 

BezugsquelleRobert Marshall: "Sturm aus dem Osten. Von Dschingis Khan bis Khubilai Khan", a.d. Engl. von Christiane Jung, Verlag v.d.Knesebeck, München 1996,, 255 Seiten, ISBN 3-926901-88-8

Die Dokumentation eines Historienfilms über die großen Einiger des Mongolischen Reiches, den die BBC 1992 gemeinsam mit der japanischen Rundfunk- und Fernsehanstalt NHK produzierte. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen alter Bild-Dokumente und Szenenfotos. Ein gut aufgemachtes, lebendig geschriebenes und höchst informatives Buch, das sich gut auch zum Verschenken eignet. (Doris Götting)

 

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Last Update: 21. Juni 2009