Mongolische Chronik
April - Juni 2004
(Zusammengestellt von
Doris Götting)

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Parlamentswahlen in der Mongolei

Große Verluste für die Regierungspartei.

Die demokratischen Parteien in der Mongolei haben ein weiteres Mal den Erweis erbracht, dass sie nur gemeinsam stark sind. Bei den Parlamentswahlen vom 27. Juni erlitt die seit vier Jahren allein regierende Revolutionäre Volkspartei MRVP gegen die neugegründete oppositionelle Dreierkoalition aus Demokratischer Partei, Partei der Zivilcourage und Mutterlandpartei (Neue Demokratische Sozialisten) eine schwere Niederlage. Sie verlor nicht nur ihre absolute Mehrheit, sondern muss sich im künftigen Parlament mit gerade noch 36 statt der bisher 72 Sitze begnügen. Die Dreier-Koalition errang ebenfalls 36 Sitze – im alten Parlament hatte die demokratische Opposition ganze vier Sitze inne. Drei im insgesamt 76 Sitze umfassenden Großen Staatshural fielen an unabhängige Kandidaten und einer an den Vorsitzenden der Republikanischen Partei, Jargalsaikhan. Nach diesem überraschenden Wahlausgang muss eine neue Regierung gebildet werden. Doch welche? Angesichts der neuen Sitzverteilungskonstellation könnten die vier letztgenannten Abgeordneten ausschlaggebend für die Regierungsbildung mit einem der beiden "Gewinner" sein. Theoretisch denkbar ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber auch eine Große Koalition von MRVP und der Dreiergruppe der Demokraten. In der Praxis ist dies angesichts der verhärteten Fronten aber eher unwahrscheinlich. Außerdem könnte eine solche Vernunftehe das labile Demokratenbündnis leicht wieder sprengen. Die Wahlbeteiligung lag bei 76 Prozent. Ministerpräsident N. Enkhbayar räumte nach Bekanntgabe des vorläufigen Wahlergebnisses ein, das Wahlziel weit verfehlt zu haben. Die MRVP habe es nicht verstanden, ihre Leistungen und die zukünftigen Aufgaben verständlich genug darzulegen – dies trotz eines massiven Wahlkampfs, dem die Opposition schon allein aus finanziellen Gründen nichts entgegensetzen konnte. Hinzu kam, dass die staatlichen Medien den Oppositionsparteien kaum Sendezeiten eingeräumt hatten. An der Rechtmäßigkeit der Wahlverlaufs gebe es keinen Zweifel, betonte Enkhbayar. Damit korrigierte er MRVP-Generalsekretär Otgonbayar, der von Unregelmäßigkeiten in einigen Wahlkreisen und dort eventuell erforderlichen Neuwahlen gesprochen hatte. In der Parteispitze der MRVP kam es zu heftigen Auseinandersetzungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die oppositionelle Parteienkoalition hielt sich mit der Erklärung des Wahlsieges zunächst zurück, warf aber ihrerseits der Regierungspartei Wahlfälschung und einen unfairen Wahlkampf vor.

Wahlkommission ordnet Neuwahl in drei Stimmbezirken an.

Auch drei Tage nach Beendigung der Parlamentswahlen vom 27. Juni hielt der Streit um die Korrektheit der Auszählung in drei Stimmbezirken Ulaanbaatars an. Als Gerüchte über die Anordnung einer Nachwahl die Runde machten, demonstrierten am 30. Juni Hunderte von Anhängern der Opposition vor dem Büro der staatlichen Wahlkommission und verlangten eine Anerkennung des Wahlergebnisses, das die Demokraten-Koalition als Sieger in den drei umstrittenen Wahlbezirken auswies. Vorübergehend stürmten sie auch den staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender und erklärten sich zu Gewinnern der Parlamentswahlen. Trotz dieser Proteste ordnete die Wahlkommission am 3. Juli an, in den umstrittenen Wahlbezirken müsse neu gewählt werden. Über den Zeitpunkt muss nun das Verwaltungsgericht entscheiden. Dieses hat die streitenden Parteien aufgefordert, Beweise für ihre gegenseitigen Beschuldigungen vorzulegen. Das Verfahren könnte mehrere Wochen dauern. Wieder einmal ist – wie schon 1998/99 unter anderen Konstellationen – die Regierungs- und Parlamentsarbeit in der mongolischen Hauptstadt bis auf weiteres lahmgelegt.


Deutschland hilft Mongolei bei Wirtschaftsreformen. Deutschland und die Mongolei haben vereinbart, die erfolgreiche entwicklungspolitische Zusammenarbeit der vergangenen Jahre auch in Zukunft fortzusetzen. Deutschland hilft insbesondere bei der Fortführung des wirtschaftlichen und sozialen Reformprozesses und bei der Erhöhung der Energieeffizienz. Vereinbart wurde, dass Deutschland bei der regionalen Wirtschaftsförderung hilft - u.a. beim Aufbau von Genossenschaften und eines Katasterwesens sowie bei der Verbesserung des ländlichen Wegesystems. Auch die Entwicklung und Umsetzung von Nutz- und Schutzkonzepten für die fragilen Ökosysteme, die im Rahmen der Land- und Viehwirtschaft für das Land die wichtigste wirtschaftliche Grundlage darstellen, bleibt weiterhin eine vordringliche Aufgabe. Sondermittel stehen für die Nutzung der erneuerbaren Energiequellen Wasser- und Windkraft zur Verfügung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung von Vorsorgemaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von HIV/AIDS. Bei den jetzt zu Ende gegangenen Regierungsverhandlungen wurden für die Jahre 2004 und 2005 insgesamt 24 Mio. Euro zugesagt. In der Vergangenheit wurde insbesondere der Aufbau des Telekommunikationssektors unterstützt. Heute verfügt die Mongolei in diesem Bereich über eine Grundinfrastruktur. Zudem konnte die Strom- und Wärmeversorgung in zwei Regionalhauptstädten - auch durch deutsche Hilfe - so ausgebaut werden, dass sie auch noch bei Temperaturen von bis zu - 50° C voll arbeitsfähig ist. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit gab es zudem bei der Eingliederung der Mongolei in die WTO, beim Aufbau eines mongolischen Rechnungshofes und beim Natur- und Ressourcenschutz. (Pressemitteilung: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit 2.4.2004)

Diplomatische Beziehungen Berlin - Ulaanbaatar belastet. Laut "Zuuny Medee" hat ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, der vom stellvertretenden Abteilungsleiter Asien im Auswärtigen Amt begleitet wurde, die Mongolei besucht. In der Meldung wurde jedoch ein Zusammenhang mit dem Fall des aus Frankreich entführten D. Enkhbat zurückgewiesen, der ohne Wissen deutscher Behörden im vergangenen Jahr über Berlin in die Mongolei verbracht wurde und dort seither im Gefängnis sitzt. Der Entführungsfall belastet nach wie vor die deutsch-mongolischen Beziehungen. Der Konsul der mongolischen Botschaft in der Bundesrepublik wurde von deutscher Seite aufgefordert, das Land binnen eines Monats zu verlassen. (R. Bormann / MongoleiOnline 5.-12.4.2004)

Neuer Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung. Thomas Schrapel, der neue Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ulaanbaatar, trat im April sein Amt an. Bei einem Empfang durch den stellvertretenden Parlamentspräsidenten J. Byambadorj äußerte Schrapel die Hoffnung, dass die Zusammenarbeit mit den mongolischen Partnern in Zukunft noch offener und effizienter sein werde. Schrapel ist Nachfolger des 2003 verstorbenen Peter Gluchowski. (Mongol Messenger 14.4.2004)

Deutsche Entwicklungsdienste veranstalteten "Tag der Offenen Tür". Das Büro der "Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit" (GTZ) in Ulaanbaatar organisierte am 20. April einen "Tag der Offenen Tür". Neben der GTZ, die in der Mongolei 12 Projekte laufen hat, stellten sich auch andere deutsche Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit in der Mongolei vor, darunter der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), die Kreditanstalt für Wiederaufbau und Entwicklung (KfW), die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die Hanns-Seidel-Stiftung, das Zentrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) und InWent, der Zusammenschluss aus der früheren Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG) und der Deutschen Stiftung für Entwicklung (DSE). Der stellvertretende GTZ-Büroleiter in Ulaanbaatar, Dr. Wolf Wagner, betonte den hohen Stellenwert, den Deutschland der Zusammenarbeit mit der Mongolei beimisst. Eine Delegation des Deutschen Bundestages mit der SPD-Abgeordneten Hedi Wegener an der Spitze, nutzte die Gelegenheit, sich an Ort und Stelle einen Eindruck über praktische Entwicklungszusammenarbeit zu verschaffen. Seit 1991 hat Deutschland der Mongolei 230 Millionen Euro an finanzieller und technischer Hilfe geleistet; 110 Millionen davon stammen von der KfW. (R. Bormann / MongoleiOnline 18.-25.4.2004)

"Kabale und Liebe" auf Mongolisch. 40 Jahre nach der Uraufführung in der Mongolei erlebte Schillers Trauerspiel "Kabale und Liebe" (khar sanaa khair setgel) am 23. April seine Wiederaufführung. Die Geschichte um Liebe, Verrat, Machtmissbrauch und Tod hätte nichts Aktualität eingebüßt, meinten Regisseur N. Gankhuyag und Managerin D. Bayarsaikhan. So gehörten zu den Zuschauern im fast ausverkauften Staatlichen Schauspieltheater sehr viele junge Leute, die das Geschehen auf der Bühne lebhaft begleiteten. Der Volksschauspieler Ts. Gantumur, der diesmal den Diener des Herzogs verkörperte, wirkte bereits vor 40 Jahren im gleichen Stück mit. (R. Bormann / MongoleiOnline 18.-25.4.2004)

Gold für Pistolenschützin Gundegmaa in Athen. Gundegmaa Otryad aus der Mongolei holte beim Weltcup des Internationalen Schützenverbandes ISSF vom 22. bis 30. April in Athen mit der Luftpistole die Goldmedaille. Sie hatte ein Vorkampfergebnis von 385 Ringen, erzielte im Finale 101,6 Ringe und stand so nach Abschluss der Endrunde mit 486,6 Ringen auf Platz Eins. Die für den Deutschen Schützenbund startende Mongolin Munkhbayar Dorjsuren landete auf Platz 21. (www.schuetzenbund.de)

Mongolische Hospitanten im Main-Taunus-Kreis. Seit Anfang April hospitieren zwei mongolische Verwaltungsangestellte für drei Monate im Kreishaus von Hofheim (Taunus), um einem möglichst umfassenden Einblick in Verwaltungsabläufe zu gewinnen. Während Frau S. Lhagvajav sich im Bauamt und der Bauaufsicht vor allem mit Katasterfragen beschäftigt, gastiert ihr Kollege P. Demberel im Hofheimer Personalamt. Lhagvajav arbeitet in Ulaanabaatar im Zentrum für soziale Entwicklung; sie lebte bereits früher einige Jahre in Deutschland, als ihr Mann an der Verwaltungshochschule in Speyer promovierte. Auch für Demberel ist es nicht der erste Deutschlandaufenthalt; er studierte in den 80er Jahren Marxismus-Leninismus in Jena und absolvierte nach der politischen Wende in der Mongolei und dem Einstieg in die private Wirtschaft einen Managementkurs in Hamburg. Zwischen Hessen und der Mongolei gibt es schon seit Jahren eine engere Zusammenarbeit, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet. (Frankfurter Allgemeine 27.4.2004)

Nairamdal-Medaille für GTZ-Vertreter. Berater der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beim Ministerium für Gesundheit der Mongolei, Dr. Wolf Wagner, wurde mit der Nairamdal (Freundschaft)-Medaille ausgezeichnet. Im Rahmen einer Feierstunde in Ulaanbaatar überreichte ihm Staatspräsident N. Bagabandi am 7. Mai die Auszeichnung. Der Präsident würdigte besonders den unermüdlichen Einsatz Wolf Wagners für eine nachhaltige Qualitätsverbesserung der Gesundheitsdienste im ländlichen Raum sowie sein Engagement und seinen Ideenreichtum, Frauen und Jugendliche zu motivieren, effektivere Gesundheitsvorsorge in Anspruch zu nehmen. (R. Bormann / MongoleiOnline Mai 2004)

Erste deutsch-mongolische Kulturkonsultationen in Berlin. Am 4./5. Mai fand in Berlin die erste Tagung der Gemischten Deutsch-Mongolischen Kulturkommission seit dem Abschluss eines neuen Kulturabkommens im Jahr 1997 statt. Deutschland und die Mongolei verständigten sich – im 30. Jahr ihrer diplomatischen Beziehungen - unter anderem darauf, die Kulturbeziehungen zwischen beiden Ländern zu erweitern, die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, insbesondere der Archäologie auszubauen, bessere Bedingungen für die Beteiligung von Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Einzelpersonen am Kultur- und Bildungsaustausch zu schaffen und den Unterricht der deutschen Sprache in Schulen der Mongolei sowie der Mongolistik in Deutschland zu fördern. Stipendienprogramme und Begegnungen von Künstlern, Jugendlichen und Sportlern sind geplant. Die 800jährige Geschichte der Mongolei seit Dschingis Khan wird auch in einer großen Ausstellung präsentiert werden, die gegenwärtig in Zusammenarbeit zwischen der mongolischen Regierung und der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn entsteht. Weltbekannte Museen werden Exponate beisteuern. Die Ausstellung wird, nachdem sie in Bonn und München zu sehen war, eine Welttournee antreten. (www.auswaertiges-amt.de)

"Freunde der Oper" kamen zur Premiere von "La Bohème". Die Oper in Ulaanbaatar erlebte am 7. Mai eine weitere Premiere. Diesmal stand "La Bohème" von Giacomo Puccini auf dem Programm. Diese Premiere wurde wieder durch den Förderverein Freunde der Oper zu Ulaanbaatar e.V. (Berlin) mit 15.000 US$ gesponsert. Wie der Förderverein in einem Mitgliederrundbrief berichtete, war die Premiere zwar ein voller Erfolg, die zweite Vorstellung am folgenden Abend, bei der ein Gasttenor aus Moskau eingesetzt wurde und der Dirigent der Pekinger Philharmoniker den Taktstock übernahm erfüllte aber offenbar die musikalischen Erwartungen der aus Berlin angereisten Gruppe der Opernfreunde noch mehr. Der mongolische Kulturminister würdigte die Fördertätigkeit des Berliner Vereins mit einer Urkunde, die er ihrem Vorsitzenden Michael Bärlein überreichte. Im vergangenen Jahr hatte Otto Nicolais Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" dank der Unterstützung des Fördervereins Premiere. (Freunde der Oper zu Ulaanbaatar e.V.)

Bayangol-Park in Berlin-Schönefeld eingeweiht. In Schönefeld bei Berlin wurde nach einjähriger Vorbereitungszeit am 14. Mai eine Parkanlage eröffnet, die nach Bayangol, dem größten Stadtbezirk im Herzen von Ulaanbaatar benannt ist. Der Park umfasst 35 000 Quadratmeter Grünfläche mit 300 Bäumen, 400 Sträuchern, Büschen und Blumenbeeten. Seit mehreren Jahren besteht eine enge Partnerschaft zwischen Bayangol und der Brandenburger Gemeinde Schönefeld. Persönliche Kontakte gibt es mittlerweile nicht nur zwischen Kommunalpolitikern, sondern auch zwischen Künstlern, Lehrern, Handwerkern, Unternehmern, Schülern. In diesem Sommer werden erstmals 15 Schüler aus Schönefeld ihre Ferien in der Mongolei verbringen; im nächsten Jahr sollen mongolische Jugendliche gemeinsam mit ihren deutschen Altersgefährten Brandenburg und Umgebung erkunden. (R. Bormann / MongoleiOnline Mai 2004)

Mongolische Jugendfachleute in Bad Segeberg. Eine Gruppe von neun Jugendarbeitern aus der Mongolei war im Mai in Bad Segeberg zu Gast. Im Rahmen eines deutsch-mongolischen Jugendprojekts nahmen sie an einer einwöchigen Fortbildungsveranstaltung teil, die sich mit den Themen Partizipation, berufliche und kulturelle Bildung und Gewaltprävention befasste,. Im August fliegt eine deutsche Delegation zum Gegenbesuch nach Ulaanbaatar. In einem Interview mit der Norderstedter Zeitung betonte die Leiterin des mongolischen Büros für soziale Entwicklung, Baldorj Lkhamsuren, Jugendarbeit nehme in der Mongolei einen sehr hohen Stellenwert ein, besonders im Ausbildungsbereich. Es gebe spezielle Förderprogramme. Der Ausbildungsstand der jungen Leute sei sehr gut, insbesondere bei den Akademikern. Wichtig in der Zusammenarbeit mit Deutschland sei vor allem der Aspekt der außerschulischen Bildung, der in der Mongolei bisher noch nicht systematisch organisiert sei. (Hamburger Abendblatt 13.5.2004)

Moritz von Engelhardt gestorben. Im Alter von 67 Jahren starb am 9. Juni 2004 in Berlin unser Mitglied Moritz von Engelhardt. Er hat sich als Senior Expert große Verdienste in der politischen Jugendarbeit der Mongolei erworben. Der ehemalige Leiter und Dozent des wannseeForum in Berlin und Vorstandsmitglied des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten (AdB) war seit 1995 verantwortlich für das AdB-Projekt "Aufbau demokratischer Jugendbildung in der Mongolei". Die Deutsch-Mongolische Gesellschaft verliert, wie Präsident Dirk Pfeil in einem Kondolenzschreiben an die Angehörigen schrieb, eines ihrer profiliertesten Mitglieder. "Wir werden sein Engagement in Erinnerung behalten", betonte Pfeil. In den "Mongolischen Notizen" (Nr. 12/2003, S. 44-47) hat Moritz von Engelhardt über das Projekt "Aufbau demokratischer Jugendarbeit in der Mongolei" berichtet. Wie der Direktor der Mongolisch-Deutschen Schule in Ulaanbaatar, Dr. S. Gelegjamts, in einem Beileidstelegramm mitteilte, bedeutet der Tod von Moritz von Engelhardt für die Schule einen "unersetzbaren, großen Verlust". Engelhardt habe "sehr aktiv und treu für die Festigung und Entwicklung der Freundschaft zwischen dem mongolischen und dem deutschen Volk" gewirkt. (D.G.)

"Lange Nacht der Jurte" im Schwarzwald. Unter dem Titel "Die Mongolei im Schwarzwald" fand am 12./13. Juni am Rande des Naturschutzgebietes von Titisee-Neustadt das Jahrestreffen der Freunde des Altai e.V. statt. Höhepunkt der Veranstaltung war eine "Lange Nacht der Jurte" mit dem Schriftsteller Galsan Tschinag, der Ethnologin Amélie Schenk sowie dem mongolischen traditionellen Arzt Jostoihuu Sanjmyataw und nicht zuletzt mit mongolischen Kamelen, die rund um das Jurtenlager weideten. Geboten wurden den Teilnehmern Geschichten vom Sein und Werden, Lebensweisheiten der Nomaden zur Tag-und-Nacht-Schwelle, Traditionelle Seelenheilkunde, Mongolische Nomadenmedizin, Lieder und Gesänge und Informationen über Heilweisen der Schamanen. Am folgenden Vormittag las Galsan Tschinag aus seinem neuen Roman "Das geraubte Kind" (erschienen im Insel-Verlag), und nachmittags gab der Chöömij-Sänger Hosoo ein Freiluftkonzert. Die "Freunde des Altai unterstützen das tuwinische Nomadenprojekt Galsan Tschinags in der Westmongolei. (Freunde des Altai e.V., Bremen. Internet: www.freunde-des-altai.org)

Musikfestival „Roaring Hoofs" zum sechsten Mal. Vom 14. bis 19. Juni erlebte "Roaring Hoofs", das Internationale Festival Moderner Musik in der Mongolei, seine sechste Auflage. Künstler aus 14 Ländern, darunter Frankreich, Deutschland, China, Belgien, Norwegen und der Schweiz, nahmen daran teil. Die Eröffnung fand traditionsgemäß im Garten des Choijin-Lam-Klosters statt. Geboten wurden nicht nur Stücke moderner Musik und mongolische Folklore. Eine Modenschau und die Darbietungen mongolischer „Schlangenmädchen" erfreuten die Zuschauer ebenfalls. Auf einem Empfang in der deutschen Botschaft, die sich in diesem Jahr als Sponsor des Festivals beteiligte, trat ein junger Pferdekopfgeigenspieler auf, der sich zudem als begabter Chöömij-Sänger erwies. Bereits am nächsten Morgen reisten die Musiker, Sänger und Komponisten weiter in den Övörkhangai-Aimag, wo Konzerte, Workshops und Konferenzen auf dem Programm standen. Am Ende der anstrengenden und ereignisreichen Woche trafen alle Beteiligten zum Abschlusskonzert im Großen Saal des Gewerkschaftshauses in Ulaanbaatar noch einmal zusammen. (R. Bormann / MongoleiOnline 14.-20.6.2004)

Rückläufige Geburtenrate. Mongolische Frauen haben immer weniger Kinder. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, so das Staatliche Büro für Statistik, dürfte sich das durchschnittliche Lebensalter der Mongolen in den nächsten 20 Jahren erhöhen. 1996 wuchs die mongolische Bevölkerung um 2,5 Prozent, im Jahr 2002 war diese Rate auf nur 1,3 Prozent abgesunken. Während im Jahr 1999 neun von 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter ein Kind zur Welt brachten, waren dies im Jahre 2002 nur noch sechs von 1.000. Dem Ministerium für Soziales und Arbeit zufolge liegt der jährliche Bevölkerungszuwachs von 30.000 für die 2,4 Millionen Einwohner der Mongolei vergleichsweise niedrig. Vor wenigen Jahren noch hat die UNDP die Mongolei als eine junge Nation eingeordnet, bei der die Hälfte der Bevölkerung zwischen 15 und 39 Jahre alt war. 2002 waren 32,5 Prozent der Bevölkerung 15 Jahre alt oder jünger und 63,9 Prozent waren zwischen 16 und 64 Jahren alt. Die wachsende Zahl der Rentner, die 2002 bei 262.900 lag, belastet in zunehmendem Maße den Staatshaushalt der Mongolei, der inzwischen bereits 69 Millionen Tögrög jährlich an Renten auszahlt. Entsprechend steigen auch die Kosten für Gesundheitswesen und soziale Sicherung. Sozialminister Sh. Batbayar führt diese Entwicklung auf die zunehmende Berufstätigkeit und den höheren Bildungsstandard der Frauen zurück. (BizMongolia 28.6.2004)

Terminhinweise:

Jahrestagung Deutsch-Mongolische Gesellschaft - Bitte vormerken! Die nächste Jahrestagung der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft wird am 30./31. Oktober 2004 in Öhringen (Baden-Württemberg) stattfinden. Einladung und Programm gehen Ihnen rechtzeitig zu.

Verschiebung der Mongolei-Ausstellung. Die große Mongolei-Ausstellung "Dschingis Khan und seine Erben", die im November in der Bundeskunsthalle in Bonn eröffnet werden sollte, ist auf das kommende Jahr verschoben worden. Der neue Ausstellungstermin ist nun der 17.6. bis 25.9.2005. (Info: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn)

 

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Last Update: 03. Mai 2009