Mongolische Chronik
Januar - Mai 2002
(Zusammengestellt von
Doris Götting)

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Ehrendoktorwürde für Präsident Bagabandi. Die Universität für Naturwissenschaften und Technologie in Ulaanbaatar hat Staatspräsident N. Bagabandi die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Auszeichnung wurde dem Staatsoberhaupt am 1. Februar durch den Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft und Vorsitzenden des Führungsrates der Universität, A. Tsanjid überreicht. Bagabandi, Absolvent der Moskauer Akademie für Humanwissenschaften, besitzt bereits Ehrendoktorwürden der Staatlichen Akademie für Nahrungsmitteltechnologie der Ukraine in Odessa, der kasachischen Staatsuniversität in Almaty, der Universität Ankara und der japanischen Senshū-Universität (Tokyo) (OANA/Montsame, engl., 1.2.02)

Industrieproduktion nahm um 11,8 Prozent zu. Im Jahr 2001 belief sich die mongolische Industrieproduktion auf insgesamt 2.725 Mrd. Tg. Dies bedeutet einen Zuwachs von 28,8 Mrd. Tg bzw. 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf dem Energiesektor, im Kohlebergbau und in der Erdölförderung sowie auf dem Nahrungsmittel-, Textil- und Chemiesektor belief sich der Zuwachs auf 60,9 %, hingegen sank die Produktion im Bereich der Metallgewinnung und –verarbeitung um 73,3 %. (OANA/Montsame 1.2.02)

Deutsch-Mongolische Gesellschaft ins Auswärtige Amt eingeladen. Im Rahmen einer Gesprächsrunde mit Nichtregierungsorganisationen zu Fragen der Politik und der Menschenrechte in den Ländern Ostasiens wurde auch ein Vertreter der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft zum 20. Februar ins Auswärtige Amt nach Berlin eingeladen. Vorstandsmitglied Dr. Buren Scharaw diskutierte mit den Ostasienspezialisten des Auswärtigen Amtes und den Vertretern der verschiedenen Organisationen, darunter amnesty international, Deutsches Institut für Menschenrechte, Deutsch-Chinesische Gesellschaft, Deutsch-Japanische Gesellschaft, Siebold-Gesellschaft und Tibet-Initiative Fragen der Zusammenarbeit mit den Ländern Ostasiens in den genannten Bereichen sowie der Förderung des Deutschunterrichts und des Studentenaustauschs. Dabei wurde auch Kritik an der deutschen China-Politik geübt. Im Zusammenhang mit dem Tibet-Problem verwies Dr. Scharaw auf die vergleichbar schwierige Lage der Mongolen in der Inneren Mongolei. Ferner verwies er auf den starken Rückgang der Zahl mongolischer Studenten in Deutschland und auf bürokratische Hemmnisse bei der Erteilung von Studienvisa und bei den Bewerbungen um einen Studienplatz. Er regte ferner an, zusätzliche Bildungseinrichtungen für den Deutschunterricht in der Mongolei zu schaffen. (Info B. Scharaw)

Mongolische Musiker in Yo Yo Mas Silk Road Ensemble. „Musik der Seidenstraße" – so lautete der deutsche Titel der Konzertreihe, mit der der international bekannte Cellist Yo Yo Ma und sein Silk Road Ensemble im Januar und Februar in der Kölner Philharmonie auftraten. Unter den Künstlern aus verschiedenen Ländern entlang der ehemaligen Seidenstraße befand sich auch die mongolische Urtin-duu-Sängerin Khongorzul Ganbaatar, die für ihre Darbietungen großen Beifall beim Publikum fand. Im zweiten Konzert trat die Yatga-Spielerin Buyanjargal Narangerel auf und im dritten Konzert wurde „Legend of Herlen", eine Auftragskomposition des 1953 geborenen mongolischen Komponisten und Meisters auf der Pferdegeige, Byambasuren Sharaw gespielt. (Info D.Götting)

WWF-Workshop im Onon-Balj-Nationalpark. Probleme der illegalen Jagd, der Überweidung und unkontrollierten Abholzung sowie mangelnder Infrastruktur waren Themen eines Workshops, das der World Wildlife Fund (WWF) im Februar im Onon-Balj-Nationalpark nahe der russischen Grenze durchführte. Ziel der Veranstaltung war, die in dieser Region lebenden Burjaten in Umweltmanagement-Programme einzubinden und ihnen beim Aufbau neuer Lebensgrundlagen zu helfen. Damit soll auch die Armut in der Region bekämpft werden. An dem Workshop nahm eine Reporterin der Deutschen Welle teil, die im Rahmen einer Umweltserie für den DW-Hörfunk „Indigene Völker: Partner im Naturschutz" über die Burjaten der Nord-Mongolei berichten wird. (DW-Report, April 2002)

Karakorum-Ausstellung in Ulaanbaatar. In Anwesenheit von Staatspräsident Bagabandi und des deutschen Botschafters Klaus Schröder wurde am 7. März in Ulaanbaatar eine Karakorum-Ausstellung eröffnet. Auf ihr wurden Gegenstände präsentiert, die während der jüngsten Ausgrabungsarbeiten in der einstigen Hauptstadt des Mongolischen Reiches gefunden wurden. (Info H.-G. Hüttel)

Mongolei überreichte Ratifikationsurkunde zum Römer Statut. Am 11. April überreichte der Botschafter der Mongolei bei den Vereinten Nationen in New York gemeinsam mit neun weiteren Ländern dem UN-Generalsekretär die Ratifikationsurkunde zum Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (Römer Statut). Damit haben bislang insgesamt 66 Staaten den 1998 geschlossenen Vertrag über die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag ratifiziert; er kann zum 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten. Mindestens 60 Ratifikationen waren erforderlich. Bis Ende dieses Jahres dürften 30 weitere Staaten beitreten; die USA, Russland und China werden nicht unter ihnen sein. Der Internationale Strafgerichtshof ist in Fällen von Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuständig, in denen die Vertragsstaaten ihren Strafverfolgungspflichten nicht nachkommen. (Neue Zürcher Zeitung 12.4.02)

Russlands Ministerpräsident Kasjanow in der Mongolei. Der russische Ministerpräsident M. Kasjanow erörterte während seines offiziellen Besuches in Ulaanbaatar neben Fragen der Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen und im Bereich der Wirtschaft u.a. auch das seit dem Ende der Sowjetunion anstehende Problem der Rückzahlung der mongolischen Schulden für Kredite im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Im Anschluss an die Gespräche betonte Ministerpräsident Enkhbayar den Vorrang der Sicherheit der Mongolei. Die Schuldenfrage werde im Nationalen Sicherheitsrat erörtert werden. (Business Mongolia, 21.4.02)

Deutschland-Besuch des mongolischen Ministerpräsidenten. Ministerpräsident N. Enkhbayar stattete der Bundesrepublik Deutschland vom 21. bis 25. April einen offiziellen Besuch ab. Er wurde von den Ministern für Bildung, Kultur und Wissenschaft , A. Tsanjid sowie Wirtschaft und Finanzen, Ch. Ulaan und von einer 30-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Zunächst führte Enkhbayar Gespräche in Bayern und Hessen. In Frankfurt trafen die mongolischen Politiker mit Ministerpräsident Koch und Vertretern deutscher Banken zusammen. Gesprächspartner in München waren unter anderem Ministerpräsident Stoiber sowie der Minister für Wirtschaft, Transport und Technologie, Wiesheu. Es wurde vereinbart, dass noch in diesem Jahr eine bayerische Wirtschaftsdelegation in die Mongolei reisen wird, um die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Lebensmittelindustrie, Bank-, Finanz- und Versicherungswesen zu prüfen. Ferner unterzeichneten die beiden Seiten einen Vertrag über die Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Ausbildung. Anschließend reiste die Delegation nach Berlin weiter, wo sie mit Wissenschaftsministerin Bulmahn, Wirtschaftsminister Müller und mit Bundeskanzler Schröder zusammentraf. Ministerin Bulmahn und ihr Amtskollege Tsanjid unterzeichneten ein Abkommen über engere Zusammenarbeit auf den Gebieten Bildung und Wissenschaft. Dazu soll u.a. auch die Erhöhung der Zahl mongolischer Studenten an deutschen Bildungseinrichtungen gehören. Die politischen Gespräche drehten sich vor allem um die allgemeine Weltlage und die bilateralen Beziehungen. Bundeskanzler Schröder sagte zu, sich für mehr deutsche Investitionen in der Mongolei sowie für eine Erhöhung des Handelsumsatzes einzusetzen. Ferner fand am 23.4. ein Wirtschaftsgespräch mit Vertretern des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft statt, an dem Vorstandsmitglied Frank Voßen teilnahm. Dabei erläuterte der mongolische Ministerpräsident gegenüber den anwesenden Unternehmern beider Länder die allgemeine politische und wirtschaftliche Situation in der Mongolei und Investitionsmöglichkeiten. Bei einem privaten Essen in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin am 25. April, zu dem auch die Präsidentin der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft eingeladen war, betonte deren Generalsekretär Wilhelm Staudacher, die KAS werde die Mongolei in ihrem Demokratisierungsprozess weiter unterstützen und verstehe sich darüber hinaus als „Lobby für die Mongolei" in Deutschland. In seiner Erwiderung betonte Enkhbayar das besonders vertrauensvolle Verhältnis zwischen den beiden Ländern und das Bestreben der Mongolei nach einer „umfassenden Partnerschaft" mit Deutschland. In einem Interview mit der Deutschen Welle wies Ministerpräsident Enkhbayar darauf hin, dass die Mongolei als Anrainerstaat der großen Märkte Russland und China für europäische, darunter deutsche Produzenten, von Interesse sei. Für Mongolen, die ihre Aus- und Weiterbildung im deutschsprachigen Raum erhalten hätten, böten sich dadurch attraktive Berufschancen. Bei einem Zusammentreffen mit jungen Mongolen in Berlin sagte der Ministerpräsident Unterstützung für das Vorhaben der „Vereinigung mongolischer Studenten in Deutschland" zu, in Ulaanbaatar eine „Jobbörse" zu organisieren. Abschließend schätzte Enkhbayar bei seiner Rückkehr nach Ulaanbaatar seinen Staatsbesuch in Deutschland als großen Erfolg ein. (Info D. Götting, F. Voßen, Berliner Zeitung, DW-TV)

Tourismusbranche rechnet mit über 200.000 Besuchern. Die mongolische Tourismusorganisation rechnet damit, dass von den für 2002 erwarteten 230.000 Besuchern des Landes etwa 210.000 Touristen sein werden. Für das kommende Jahr rechnet man sogar mit einem Anstieg auf 230.000 Touristen und insgesamt 250.000 Besucher. (Business Mongolia, 21.4.02)

TACIS City Twinning-Projekt Bonn – Ulaanbaatar beendet. Im Mai ging nach 18-monatiger Dauer ein von der Europäischen Union im Rahmen der TACIS-Programme gefördertes Modellprojekt der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit zwischen Bonn und Ulaanbaatar zuende. Dieses Projekt sah u.a. die Schulung mongolischer Fachkräfte für Stadtentwicklung sowie Kinder- und Jugendarbeit vor. Sechs mongolische Experten hielten sich zu diesem Zweck 12 Wochen lang zu einem Erfahrungsaustausch in Bonn auf; mehrere Experten der Stadtverwaltung Bonn besuchten Ulaanbaatar. Am Ende des gemeinsamen Lernprozesses stand ein Entwicklungskonzept für Dari Ekh, ein Jurtenviertel in Ulaanbaatar, das weit über eine bloße Ideenskizze hinausgeht und in besonderer Weise die Interessen der dort lebenden Menschen berücksichtigt. Weitere Maßnahmen und Projekte sind in Planung. Das TACIS City Twinning-Programm der EU hat das Projekt mit € 100.000 gefördert. (Presseinformation der Stadt Bonn, 2.5.02)

Einbruch in der mongolischen Botschaft in Berlin. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai entwendeten Diebe aus dem Tresor des mongolischen Konsulats in der Berliner Gotlandstraße deutsche und mongolische Pässe. Ferner sollen 16.000 US-Dollar und 70 Stangen Zigaretten gestohlen worden sein. Die Zigaretten verloren die Täter allerdings bei ihrem etwas überhasteten Verlassen des Botschaftsgebäudes. Nach einem Bericht in der „Zuuny Medee" war vier Tage nach der Tat im mongolischen Außenministerium darüber noch nichts bekannt. Erst am 8. Mai bestätigte ein Sprecher des Ministeriums den Vorfall. (Berliner Zeitung, 4.5.02, Info Bormann)

„Namensvettern" aus Leipzig und Ulaanbaatar begegneten sich. Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee empfing im Mai einen mongolischen „Namensvetter", den Abgeordneten Lamjaw Gundalai. Die Begegnung kam durch eine entsprechende Anregung ehemaliger mongolischer Studenten der Leipziger Universität zustande, die in der „Mongolisch-Deutschen Brücke" organisiert sind und in einer Leipziger Universitätszeitschrift auf ein Interview mit Tiefensee stießen. Sie stellten fest, dass der Name Gundalai eben dieses bedeutet: „gun"(-ij) heißt „tief" und „dalai"(-n) bedeutet „See", „Meer", „Ozean" (vgl. Dalai Lama – „Ozean der Weisheit"; d.Red.). Der 39-jährige Abgeordnete der Demokratischen Partei der Mongolei war übrigens selbst einmal Student in der DDR; Gundalai ist Absolvent der Medizinischen Fakultät und des Politikwissenschaftlichen Instituts der Martin-Luther-Universität in Halle. (Leipziger Volkszeitung 10.5.02, BILD 10.5.02)

Grundsteinlegung für gigantisches Tschingis-Khan-Denkmal. Die mongolische Regierung beging den 840. Geburtstag des historischen Staatsgründers Tschingis Khan mit der Grundsteinlegung für einen Denkmalskomplex im Kultur- und Freizeitpark von Ulaanbaatar. Auf einer Felsplatte von 99 Metern Breite und 60 Metern Höhe sollen sieben steinerne Jurten errichtet werden. In ihrer Mitte soll sich ein 20 Meter hohes Denkmal Tschingis Khans erheben. (Far Eastern Economic Review, 16.5.02)

 

 

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Last Update: 08. Dezember 2007